Aktuelles aus der Präventionsarbeit

Ein Papier für den gelebten Alltag

Caritasverband Herford implementiert Institutionelles Schutzkonzept nach Präventionsordnung für das Erzbistum Paderborn

Foto: Martina Degen, Richard Knoke und Heike Papenbrock präsentieren das Booklet mit dem Institutionellen Schutzkonzept für den Caritasverband für die Stadt und den Kreis Herford.Foto: pdp/ Ronald PfaffPaderborn/Herford, 26. Oktober 2018. „Es ist kein Papier für die Schublade, sondern ein Papier, um es umzusetzen und zu leben“, betonte Richard Knoke, Vorstand des Caritasverbandes Herford, im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung, bei dem das erarbeitete Institutionelle Schutzkonzept zur Prävention von sexualisierte Gewalt nach der Präventionsordnung für das Erzbistum Paderborn vorgestellt und implementiert wurde.

Gut ein Jahr benötigte die Projektgruppe, um das auf den Caritasverband Herford zugeschnittene Schutzkonzept zu erarbeiten und nun in einem Booklet vorzulegen. Es brauche institutionelle Schutzkonzepte, die individuelle und strukturelle Bemühungen zum Schutz der anvertrauten Menschen in den Mittelpunkt stellen, definiert die Präventionsordnung des Erzbistums Paderborn. Der Caritasverband Herford hat sich dieser Aufgabe gestellt und in dieser Woche den rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die wichtigsten Elemente des Schutzkonzepts vorgestellt.

Am Anfang sei es auch für ihn eine „lästige Pflicht“ gewesen, das Schutzkonzept auf den Weg zu bringen, doch aufgrund der Risikoanalyse sei ihm die Bedeutung klar und deutlich geworden, gestand Richard Knoke ein: „Schutzkonzepte, so gut sie auch sind, können nicht einfach von anderen Institutionen oder Organisationen abgeschrieben werden, sondern müssen individuell erarbeitet werden“, macht Knoke zugleich Mut, sich der Aufgabenstellung mit Sorgfalt zu stellen. „Die Intensität, mit der in Dienstbesprechungen, Vorbereitungstreffen, Workshops und Redaktionssitzungen dieses Institutionelle Schutzkonzept erörtert, um etliche Erweiterungen bereichert und schließlich verabschiedet wurde, zeigt, dass es möglich ist, das Undenkbare zu denken und schließlich produktiv in eine Bereicherung des täglichen Arbeitens zu überführen“, sagt Richard Knoke, der sich besonders bei Heike Papenbrock (Präventionsfachkraft) und Martina Degen als externe Prozessbegleiterin bedankte. Zur Projektgruppe gehören auch Michael Wächter, Sonja Neumann, Lydia Skutella und Beate Braun.

Die Beteiligung aller betroffenen Tätigkeitsfelder innerhalb der Caritas Herford war die Voraussetzung für eine umfassende Analyse. „Die Mitarbeitervertretung, der Vorstand und auch die Klienten waren am Prozess beteiligt“, fasste Martina Degen zusammen, die auch unterstrich: Da der Caritasverband Herford nur über ambulante Dienste verfüge, sei Partizipation eine Herausforderung gewesen. Aber es sei gelungen, die Klienten (Kinder und Jugendliche, Pflegebedürftige, psychisch kranke Erwachsene und suchtkranke Erwachsene) einzubinden.

„Augen auf! - Hinsehen und schützen“ – so der Titel des Präventionsprogramms des Erzbistums Paderborn, das auch die Grundlage für die Konzeptionsarbeit in Herford ist. In Schulungen wurden die Mitarbeitenden zum Thema sensibilisiert, mit Heike Papenbrock eine Präventionsfachkraft installiert und vor einem Jahr mit der Risikoanalyse zum Institutionellen Schutzkonzept begonnen. „Es galt Schwachstellen und Gefährdungen herauszufinden“, erläuterte Heike Papenbrock nochmals bei der Implementierungsveranstaltung, in der die Mitarbeitenden durch Gruppenarbeit oder Diskussion im Plenum ein besseres Verständnis erlangen sollten.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas Herford wurden in die Inhalte des Schutzkonzepts eingebunden.pdp/ Ronald Pfaff1:1-Situationen, räumliche Gegebenheiten, bestehende Machtgefälle aufgrund persönlicher (Pflege)-Zuwendung wurden ebenso unter die Lupe genommen wie Handlungsunsicherheit und bereits bestehende verbindliche Verhaltensregeln. „In der Klientenbefragung standen Aspekte zu Nähe und Distanz, Sprache, angemessener Körperkontakt, Beachtung der Privatsphäre, Zulässigkeit von Geschenken und auch die Möglichkeit, sich beschweren zu können, im Fokus“, erläutert Heike Papenbrock. Die Ergebnisse finden sich im Verhaltenskodex wieder, der nicht ein eingrenzendes Korsett, sondern den Mitarbeitenden ein Sicherheitsleitfaden im Handeln sein soll. Dabei sei auch der Schutz der Mitarbeitenden bedacht, betonte Richard Knoke. Der Kodex sage auch etwas darüber aus, dass der Mitarbeitende etwas vom seinem Dienstgeber erwarten darf. Dazu gehörten sowohl die Rehabilitation bei einem falschen Verdacht als auch der Schutz vor Übergriffen von Klienten.

„Augen auf! – Hinsehen und schützen“ – wie sieht es mit der Umsetzung des Leitbildes in der Praxis aus? „Die Frage, was mache ich bei dem Verdacht auf sexualisierte Gewalt, beschäftigt viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder auch Dritte“, verweist Martina Degen auf den Interventionsleitfaden, der zwischen „Verdachtsfall“ und „Berichtsfall“ differenziert. Auch wenn Emotionen schnell einfließen, so gelten vorrangig die Grundsätze „Ruhe bewahren“, „ernst nehmen“ und Dokumentation. „Machen Sie keine falschen Versprechungen, stellen Sie keine Warum-Fragen oder Vermutungen an und erkennen Sie ihre eigenen Grenzen“, rät Degen zur Umsicht. Dabei sei es wichtig, alle Schritte mit dem Betroffenen abzustimmen und dann Vertrauenspersonen – wie Präventionsfachkraft oder Vorgesetzte – hinzuziehen.

„Keinesfalls“, so betonte Knoke ausdrücklich, „stellen sie, und auch nicht die Präventionsfachkraft, Ermittlungen an.“ Das Booklet „Institutionelle Schutzkonzepte“ enthält dazu nicht nur Leitfäden, sondern auch ein Ablaufdiagramm, das Sicherheit geben soll. Dazu gehört auch ein geregeltes Beschwerdemanagement, über das die beigefügte Beschwerdebroschüre und ein Infoheft über Beschwerdestellen genaue Informationen geben. „Wir haben keinen Bewohnerbeirat oder ein Klientenparlament, deshalb müssen wir dem Klienten offen machen, dass ihre Beschwerden ankommen und ernst genommen werden“, so der Caritasvorstand.