Aktuelles aus der Präventionsarbeit

„Lummerland“ Elspe mit beispielhaftem Schutzkonzept

Fachtagung „Präventionserprobt!? – Katholische Kirche auf dem Weg zur nachhaltigen Prävention von sexualisierter Gewalt in Köln

Köln/Paderborn, 26. November 2018. (dbb/pdp). Die Deutsche Bischofskonferenz und die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK) haben am vergangenen Freitag gemeinsam mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) eine Fachtagung unter dem Leitwort „Präventionserprobt!? – Katholische Kirche auf dem Weg zur nachhaltigen Prävention von sexualisierter Gewalt“ im Maternushaus in durchgeführt. Gemeinsam mit dem Deutschen Caritasverband und dem Verband Katholischer Internate und Tagesinternate wurde eine erste Zwischenbilanz der Präventionsarbeit gezogen.

„Den Anstoß zur Fachtagung „Präventionserprobt!? – Katholische Kirche auf dem Weg zur nachhaltigen Prävention von sexualisierter Gewalt“ gab die im Jahr 2016 geschlossene Vereinbarung mit dem UBSKM. Uns war es wichtig, darin zu signalisieren, dass wir die flächendeckende Erarbeitung und Implementierung institutioneller Schutzkonzepte transparent und nachvollziehbar gestalten. Es sollte möglich sein, zu prüfen, ob – und wenn ja wie – die Schutzkonzepte Wirkung zeigen. Dies entspricht auch den Ergebnissen der MHG-Studie, die dringend raten, die Präventionsmaßnahmen der Diözesen einer regelmäßigen Evaluation zu unterziehen. Geeignete Instrumente hierfür müssen noch entwickelt werden, aber ich erhoffe mir insbesondere von dem in der Erklärung der Bischöfe vom 27. September 2018 angekündigten Monitoring eine nachhaltige und kontinuierliche Überprüfung unserer vielfältigen Präventionsmaßnahmen. Es sollte damit auch möglich sein, dort nachzujustieren und Hilfestellung zu geben, wo Lücken erkennbar werden“ sagte Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier), Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes.

Die heute präsentierten Schutzkonzepte aus so unterschiedlichen Kontexten wie z. B. einer KiTa, einem Internat, einer Ordensgemeinschaft, einer Einrichtung für Flüchtlinge oder einem Priesterseminar verdeutlichten, dass es für den Bereich der katholischen Kirche eine enorme Vielfalt an Einrichtungen gäbe, die in der Entwicklung von Schutzkonzepten berücksichtigt werden müssten.

„Klar ist auch, dass selbst wenn alle unsere Einrichtungen und Pfarreien über ein Schutzkonzept verfügen, der Prozess damit nicht zu Ende ist. Ebenso wie unsere Regelwerke – die Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch und die Rahmenordnung Prävention – immer wieder überprüft und angepasst werden, so wird dies auch für die Schutzkonzepte erforderlich sein. Neue Herausforderungen begegnen uns jeden Tag, ich weise nur auf die Gefahren durch die Nutzung digitaler Medien hin. Wir haben uns mit unseren Präventionsmaßnahmen auf einen stetigen und dauerhaften Prozess begeben, der uns weiter fordern wird und den wir engagiert und aktiv begleiten werden“, so Bischof Ackermann.

Unter dem Blickpunkt „Good Practice“ stellten sich am Nachmittag Aktionen aus allen Bistümern in Deutschland vor, die institutionelle Schutzkonzepte in den letzten Monaten geschaffen haben. Aus dem Erzbistum Paderborn präsentierte Marion Nolden, Leiterin des Kindergartens Lummerland aus Elspe, das Schutzkonzept für eine „beispielhafte KiTa“.

Der Kindergarten Lummerland hat sich bereits 2015 auf den Weg gemacht, ein eigenes Schutzkonzept zu entwickeln. In enger Abstimmung mit Eltern, Kindern und Personal konnte dem Präventionsbeauftragten im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn schließlich ein fertiges Konzept vorgestellt werden, dass nicht nur sofortige Zustimmung fand, sondern vor allem allen Beteiligten neue Handlungssicherheit gibt. „Wir haben den Prozess freiwillig aufgenommen, ohne den Druck eines aktuellen Falls oder einer negativen Erfahrung zum Anlass zu haben“, erklärt Marion Nolden, die sehr dankbar über die Zusammenarbeit mit Experten von außen und der Präventionsstelle im Erzbistum Paderborn ist.

„Den Auftrag, Kinder zu stärken und zu schätzen, haben wir stets in den Vordergrund gestellt“, betont Marion Nolden, die Eltern, Kindern und Personal bei der Beratung stets einbeziehen konnte. Natürlich habe es auch Ängste, Sorgen und neue Einblicke gegeben, die zusammenfinden mussten. Dabei sei nicht immer konfliktlos diskutiert worden. Doch man habe der Kita nicht einfach ein Konzept überstülpen, sondern alle einbinden wollen. „Durch die Diskussion und Beteiligung ist nun ein Schutzkonzept entstanden, das alle akzeptieren können“, so Nolden. Sie selbst sei auch mit Vorbehalten gestartet. „Zuerst sieht man eine Wand vor den Augen, doch dann erkennt man die positiven Werte dieser Arbeit, für die es sich lohnt, Zeit zu investieren.“

Von den Praxisbeispielen war auch Karl-Heinz Stahl, Präventionsbeauftragter im Erzbistum Paderborn, angetan: „Anhand der gezeigten Beispiele kann ich feststellen, dass wir im Erzbistum auf einem guten Weg sind, aber auch weiter unsere Anstrengungen beibehalten müssen.“ Gerade bei den unterschiedlichen Ansätzen für die Schutzkonzepte der Institutionen konnte der Präventionsbeauftragte viele Anregungen mit nach Paderborn nehmen: „Aber ich sehe bei uns auch die gute Arbeit der Träger bestätigt.“ Im Austausch mit kirchlichen und nicht-kirchlichen Fachleuten der Präventionsarbeit wurden viele Aspekte in einen guten Fokus gerückt und es ermutige, so Stahl, weiter am Ball zu bleiben und verstärkt die Arbeit fortzusetzen.